Linoldruck für Anfänger: Einfache Anleitung für deinen ersten Druck
Linoldruck wirkt am Anfang oft kompliziert – ist aber mit den richtigen Schritten überraschend einfach. In dieser Anleitung zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du deinen ersten Linoldruck erstellst – ganz ohne komplizierte Motive oder Vorkenntnisse.
Bevor du mit mehreren Farben oder Ebenen arbeitest, lohnt es sich, mit einem einfarbigen Druck zu starten. So verstehst du den grundlegenden Ablauf, ohne dich zu überfordern – und hältst trotzdem am Ende ein fertiges Ergebnis in der Hand.
In dieser Anleitung erstellst du Schritt für Schritt deinen ersten Linoldruck.
Du möchtest direkt loslegen? Hier kannst du dir die Vorlage herunterladen:


Was du für Linoldruck brauchst
Halte es bewusst einfach:
- eine Linolplatte
- einfache Schnitzwerkzeuge (für dieses Tutorial habe ich 4 verschiedene Klingen genutzt, das muss nicht zwingend sein)
- ein Bleistift
- Papier zum Bedrucken (130-180 gsm, möglichst glatt)
- Druckfarbe (optimal ölbasiert und wasserlöslich)
- eine Farbwalze
- ein Löffel und ein Handreiber
Für mehr Sicherheit empfehle ich dennoch eine Schneidematte, um den Tisch zu schonen und zwei Federzwingen oder eine rutschfeste Unterlage. Meine Linoldruck Werkzeugliste zum Download findest du hier.
1. Wähle ein einfaches Motiv
Starte klein. Gut geeignet sind Elemente, die „verzeihen“. Etwas Florales eignet sich oft gut. Für das Tutorial habe ich mich für ein Rundbogenfenster entschieden, aus dem ich ein paar Sterne, Wolken und einen Mond entferne, die dann im spätere Druck weiß erscheinen. Das Pendant dazu, die Sonne, ist noch etwas einfacher zu Schnitzen. Starte einfach mit dem Motiv, das dir besser gefällt.
Vermeide zu viele Details. Linoldruck lebt von Kontrast, nicht von Komplexität.


2. Linoldruck Motiv auf Linol übertragen
Zeichne dein Motiv zunächst auf Papier in der Größe, die du später abdrucken willst. Wenn du nicht selbst zeichnen möchtest, kannst du gerne meine Vorlage nutzen. Das Bild wird im Druck spiegelverkehrt erscheinen also musst du es entweder selbst spiegeln oder die Spiegelung in Kauf nehmen. Solange du keine Schrift in dein Motiv einbaust, sollte das aber kein Problem sein. Falls du kein eigenes Motiv verwenden möchtest, kannst du meine Vorlage nutzen – diese ist bereits gespiegelt und für A5 große Linolplatten geeignet.
Übertrage es dann mit Kohlepapier auf die Linolplatte.
Wichtig: Alles, was du wegschnitzt, wird später nicht gedruckt.
3. Druckplatte Schnitzen
Beginne mit einer feinen Klinge und fahre die Linien nach. Wiederhole den Vorgang mit einer breiteren Klinge. So schützt du dein Motiv vor versehentlichen Schnitzern! Achte darauf, mit eher wenig Druck zu arbeiten – die Klinge sollte ruhig durch das Material gleiten, nicht kratzen oder hängen bleiben. Das kannst du über den richtigen Winkel am besten beeinflussen.
Anschließend entfernst du nach und nach die Flächen, die weiß bleiben sollen mit breiteren Klingen. Gut geeignet für das Entfernen großer Flächen ist das Pfeil B7/14 oder L7/10.
Wichtig: Schnitze immer von deiner Hand weg! Idealerweise arbeitest du beidhändig beim Arbeiten, sodass du dich nicht schneiden kannst – eine Antirutsch-Unterlage hilft dir dabei.


4. Farbe auftragen
Verteile eine kleine Menge Farbe auf deiner Mischfläche und rolle sie gleichmäßig aus. Nutz die Farbe direkt aus der Tube oder misch dir deine Wunschfarbe an – mit den 5 Hauptfarben kannst du eine riesige Bandbreite an Farben mischen.
Die Farbschicht sollte dünn und gleichmäßig sein. Wirkt sie dick oder unruhig, ist es meist zu viel Farbe. Wenn dein Druck fleckig wird, liegt das oft nicht am Motiv, sondern an zu wenig Druck, am Papier oder an zu wenig Farbe.
Für das Mondmotiv habe ich mich trotzdem für eine fertige Farbe entschieden, nämlich „Powder Blue“ von Cranfield – eine ölbasierte und wasserlösliche Farbe.
5. Mit Linol drucken - so funktioniert es
Wenn du einen schönen Rand rund um dein Motiv haben möchtest, platziere die Linolplatte mittig auf einer Druckvorlage und nutze dieses als Registrierung. Ich habe das Motiv mit einem Cutter freigestellt, da ich die äußeren Bereiche nicht brauche.
Mit doppelseitigem Klebeband kannst du die zugeschnittene Druckplatte auf dem Ausdruck befestigen und vor Verrutschen sichern. Das zu bedruckende Blatt kannst du dann ebenfalls passgenau daran anlegen.
Lege das Papier vorsichtig auf die eingefärbte Linolplatte.


Starte mit dem japanischen Handreiber und bewege ihn mit kreisenden Bewegungen über das Druckpapier. Vorsichtig, um das Blatt nicht zu verschieben.

Prüf dein Ergebnis zwischendurch, in dem du nur eine Kante ein wenig hochhebst und die andere festhältst, damit nichts verrutscht.

Nach dem Randreiber wechselst du zum Holzlöffel. Ein Metalllöffel wird durch die Reibung heiß, daher wird allgemein Holz empfohlen.

Wenn das Ergebnis gleichmäßig ist, ist der große Moment gekommen, das Papier vollständig hochzuheben.
Dein erster Linoldruck
Fertig.
Dein erster Linoldruck ist entstanden.
Er wird vielleicht nicht gleich beim ersten Mal perfekt sein – und genau das ist normal. Linoldruck ist ein handwerklicher Prozess, und jeder Druck bringt dich ein Stück weiter. Dein Druck wird trotzdem super aussehen, weil das Zusammenspiel aus Druckfarbe und Papier eine ganz eigene Magie erzeugt!

Wie es weitergeht
Das hier ist die Grundlage, vereinfacht runtergerbochen – genau darauf bauen mehrfarbige Drucke auf. Wenn du dich mit dem Ablauf sicher fühlst, kannst du anfangen zu experimentieren:
- mehrere Farben oder Farbverläufe
- Druck in Ebenen
- komplexere Motive
Das hier ist die Grundlage für jeden Linoldruck.
Wenn du darauf aufbauend lernen möchtest, wie mehrfarbige Drucke sauber geplant und umgesetzt werden, zeige ich dir das Schritt für Schritt in meinem Kurs.
Wenn dich interessiert, welche Werkzeuge und Materialien ich persönlich beim Linoldruck verwende, kannst du hier meine Linoldruck-Werkzeugliste herunterladen.
Farbvarianten und Farbverläufe

Statt eines einfarbigen Motivs könntest du auch einen Farbverlauf ausprobieren. Da der Himmel zur Dämmerung oft Rosa und Blau erscheint, habe ich hier diese Farbkombination ausprobiert.

Probier gerne eigene Farbkombinationen aus. Statt eines Farbverlaufs könntest du für den unteren Wolkenteil eine Farbe wählen als für den oberen Teil. Lass deiner Fantasie freien Lauf.



Zum Schluss ein Tipp
Mach dir nicht zu viele Gedanken über deinen ersten Druck.
Halte es einfach, bring es zu Ende – und mach direkt den nächsten.
So lernst du am schnellsten. Genau so entwickelst du Schritt für Schritt ein Gefühl für den Prozess. Du möchtest direkt loslegen? Hier kannst du dir die Vorlage herunterladen:
Linoldruck Anleitung
Noch unsicher, welche Werkzeuge und Materialien du für dein Linoldruck Starterkit benötigst? Dann lad dir jetzt meine Anleitung mit Produktempfehlungen für Linoldruck Einsteiger herunter – auf 6 Seiten liste ich alle Produkte auf, die ich benötige, um meine bunten Drucke anzufertigen – denn du kannst das auch!
Anna Hermsdorf ist Linoldruck-Designerin aus Deutschland. Sie gestaltet farbenfrohe Linoldrucke und vermittelt moderne Linoldruck-Techniken online und in Workshops.

